Strafvereitelung im Amt? Anzeige gegen Leiter der Forstverwaltung München

Strafvereitelung im Amt? Anzeige gegen Leiter der Forstverwaltung München

Nicht jeder ist ein Freund der Jagerei und viele Tierschützer laufen Sturm wenn die Hunde losgelassen und die Büchsen knallen. Die Jäger hingegen, vor allem in Form der Förster-Jäger pochen auf ihrem Recht der Jagerei. Nun aber läuft eine Anzeige gegen den Leiter der Forstverwaltung München wegen Strafvereitelung im Amt u.a. wegen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und zwar:

 

Bei Wald-Drückjagden soll das Wild, anders als bei einer Treibjagd auf dem Feld, dazu gebracht werden, seine Verstecke zu verlassen. Dazu streifen wenige Menschen oder laut bellende Hunde durch den Wald. Die Schützen umstellen den so beunruhigten Waldbereich und hoffen, dass Rehe oder Wildschweine sich aus der Gefahrenzone drücken wollen. Wichtig ist dabei auch, dass die Hunde „spurlaut“ sind, und das Wild frühzeitig gewarnt wird, wenn ihnen Hunde auf der Spur sind.

 

Bei mindestens zweien solcher Jagden im Stadtwald München, ist dabei so einiges aus dem Ruder gelaufen. Vor allem die Hunde sind dabei im wahrsten Sinne des Wortes über ihr Ziel hinausgeschossen. Die Hunde hetzten Rehe weit über die Reviergrenzen des Kommunalforstes hinaus und buchstäblich zu Tode. In einem Fall musste der herbeigeeilte Reviernachbar dem schwerstverletzen Tier den Gnadenschuss versetzen, ehe es die Hunde der Förster bei lebendigem Leib auffressen wollten.

 

Anzeige der Nachbarn – Niedergeschlagen

Bereits am 12. Januar 2017 fand in dem circa 140ha großen Revier Jesenwand-Unterwald, das dem Forstbetrieb der Landeshauptstadt München gehört, ein derartiger Vorfall statt. Die Anzeige des Reviernachbar wurde bereits von der Staatsanwaltschaft nicht berücksichtigt, das Verfahren eingestellt. 

 

Und zu Beginn der nächsten Drückjagdsaison, veranstaltete die Städtische Forstverwaltung erneut eine Drückjagd nach gleichem Muster. Wieder wurde viele, weiträumig jagende und schnelle Hunde eingesetzt. Auch jetzt, am 3. November 2017 hetzten zwei hochläufige, stummjagende Hunde ein Reh über die Reviergrenze hinweg in das Revier des Nachbarn, stellten es dort und verletzten es tödlich. Beim Eintreffen des Revierpächters war das Tier bereits verendet. Einer der Hunde gehörte offensichtlich sogar dem Leiter der Städtischen Forstbetriebs Jan Linder.

 

„Im vorliegenden Fall wurden offensichtlich weiträumig jagende Hunde eingesetzt, die das Wild auch über die Grenzen des schmalen, langgestreckten Reviers Jesenwang-Unterwald hetzten. Dass das grundsätzlich territoriales Rehwild bei anhaltender Verfolgung durch schnelle Hunde versuchen würde, weiträumig zu flüchten und die Hunde abzuschütteln, musste den verantwortlichen Jagdleitern bekannt sein“, so Dr. Christine Miller, 1. Vorsitzende des Vereins Wildes Bayern e.V.“ 

 

Wer sich mit der Jagd auskennt und ein wenig Menschen- und Tierkenntnisse besitzt der weiß, dass das Hetzen von Wild durch Hunde sowohl nach dem Jagdgesetz und auf jeden Fall nach dem Tierschutzgesetz verboten ist. Der Jagdleiter hat die Jagd so zu organisieren, dass keine Hetzjagden, wie in dem geschilderten Fall zu erwarten sind und dass nur entsprechend brauchbare Hunde bei der Jagd eingesetzt werden dürfen. „Entweder hat Herr Linder nicht die nötige Fachkenntnis eine Drückjagd auf Rehe ordnungsgemäß zu organisieren, oder er hat bewusst in Kauf genommen, dass Rehe, vor allem die kleineren und langsameren Rehkitze gehetzt und sogar gerissen werden,“ ergänzt Christine Miller.

 

Gehetztes Wild ist nix für Feinschmecker

Wer meint, dass nur die Tierschützer nun Sturm laufen und versuchen gegen die Jagd zu hetzen, dem sei gesagt: Auch die Liebhaber des Wildbrets sind über solche Jagden nicht besonders glücklich. Denn so wie bei Kuh, Schwein & Co. Haltungs-, Transport- und Schlachtstress „Geschmacksauswirkungen“ hat, beeinträchtigen auch Hetzen von Wildtieren über einen längeren Zeitraum in entscheidendem Maß die Genusstauglichkeit des Wildbrets.

 

Strafvereitelung durch den Jagdleiter?

Nun hat auch der Verein „Wildes Bayern e.V.“ Strafanzeige gestellt.  Denn nach Ansicht von Miller und ihren juristischen Beratern ergibt sich gegen den Jagdleiter  nun ein sogenannter Anfangsverdacht. „Leitende Forstbeamte in öffentlicher Stellung sind eigentlich Polizisten gleichgestellt, sie sind „ Ermittlungspersonen der Staatsanwaltschaft“ und müssen einschreiten und Beweise sichern, wenn im Rahmen ihrer Arbeit von Straftaten oder vom Verdacht von Straftaten Kenntnis erhalten“, begründet Miller die Anzeige.

Die Gemeinde der Tierschützer und Jagdfreunde darf gespannt sein, wie die Staatsanwaltschaft entscheidet.

 

Weitere Informationen finden Sie unter www.wildes-bayern.de

Pressekontakt: presse@wildes-bayern.de
Postadresse: Verein Wildes Bayern e.V. - Hirschbergstrasse 1 - 83714 Miesbach

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