Neues vom Gänsegeier Gypsi

(Quelle:  Geierschutzinitiative GESI)

 

 

Liebe Naturschützer, liebe Großgreifvogelfans,
 
am Sonntag wurde Gypsi in Salzburg erneut freigelassen, und hat gleich mit den anderen anwesenden Geiern draußen mitgefressen. Über Gypsi wurde in der Presse und im Fernsehen berichtet, hier und in Österreich, hier eine neue Mitteilung der Öffentlichkeitsreferentin des Zoos.
Der Blei-Blutspiegel von Gypsi war bedenklich hoch, in Salzburg ermittelt, nachdem er schon über eine Woche an keine bleihaltige Nahrung mehr kommen konnte (38,7   µg/dl, Normwert  < 5,0 µg/dl).
Zur Vorgeschichte: Am 31.8.17 haben wir Gypsi im oberen Donautal freigelassen, nach erfolgreicher 13-monatiger Reha in Thüringen im Anschluss an einen WKA-Unfall. Nach einigen Tagen im Donautal flog er in die Alpen bis zum Mt. Blanc und Matterhorn, kehrte aber nach 2 Wochen nach Deutschland zurück. Nur infolge seiner Besenderung konnte er entdeckt werden, seine Ernährungs- und Übernachtungsgewohnheiten bekannt werden. Er hat leicht Nahrung gefunden: an Luderplätzen, von Jägern angelegt, die er durch Raben, Krähen und Milane als obligatorische „Vorkoster“  auch an schwer einsehbaren Orten offensichtlich leicht aufgefunden hat, wie wir hier feststellen konnten. Wiederholt nahm er auch Aufbruch von erlegten Wildschweinen auf. In Baden-Württ. ist die Verwendung von bleihaltiger Munition seit 4.2017 untersagt. Wir wissen aber nicht, wie weit dieses Verbot schon eingehalten wird, und was er in Österreich und in der Schweiz gefressen hat. Er wurde schließlich bei Dauerregen durchnässt in der Nähe von Linz angelockt und gefangen, und über den Zoo Schmieding nach Salzburg weitergeleitet. Dort gelang nun die Eingliederung in die wild lebende Gänsegeiergruppe.
 
Da illegale Greifvogelverfolgung noch häufig vorkommt, und nicht sicher ist, ob auch noch mit bleihaltiger Munition gejagt wird, empfiehl die GESI, bei allen geschwächt aufgefundenen Großgreifvögeln (Geier und Adler) und Milanen eine Ganzkörper-Röntgenaufnahme (Schrote im Gewebe, Bleisplitter im Magen ?) anzufertigen, und zusätzlich den Bleispiegel im Serum zu bestimmen. Oftmals dürfte Oftmals dürfte eine Injektionsbehandlung mit Chelaten zur Entgiftung notwendig sein. Auch halten wir eine sorgfältige Untersuchung aller tot aufgefundenen Großgreifvögel für erforderlich, einschließlich einer Untersuchung auf die Belastung mit Schwermetallen (Blei, evtl. auch Kupfer u.a.). Auch empfehlen wir, die zahlreichen neben der Straße verrottenden roadkills etwas abseits zu legen, um sie für Großgreifvögel nutzbar zu machen – ein Beitrag zum Greifvogelschutz und zur Verkehrssicherheit.
 
Angehängt sind neben 4 Aufnahmen der Geierfütterung im salzburger Zoogelände noch eine Übersicht der Wanderungen von Gypsi seit 31.8. aus der heutigen movebank. Alle Infos können  auch für Publikationen benutzt werden, für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
 
Mit besten Grüßen
Dieter Haas                                                                                                                                                                                                                                 
(Dr. Dieter G. Haas
Geierschutzinitiative GESI
 
 
 
 
 
 
 

Gänsegeier Gypsi ist wieder in Freiheit

 

 

Am Donnerstag, 31.8.17 konnte sich „Gypsi“ endlich wieder in die Lüfte schwingen. Gypsi ist ein über 4 Jahre alter männlicher Gänsegeier, der vor über einem Jahr, am 11.7.2016, verletzt und ausgehungert an einer Windkraftanlage in Thüringen aufgefunden wurde. In einer Großvoliere der Rennsteig-Falknerei im Thüringer Wald wurde er rehabilitiert, was bei seinen unfallbedingten Schwungfederschäden über ein Jahr in Anspruch nahm. Zur Auswilderung setzten sich die thüringer Behörden und Ornithologen mit der Geierschutzinitiative GESI in Verbindung, welche die Freilassung in einem Optimalbiotop für Gänsegeier im Oberen Donautal übernahm. Gänsegeier haben dort viele Jahrhunderte lang gebrütet, immature Vögel kommen auch heute noch auf „Stippvisite“, jedes Jahr auf ihren natürlichen Wanderungen dort vorbei. Aus Gründen des Tierschutzes, zur Absicherung der Auswilderung und zur Zugvogelforschung wurde Gypsi mit einem modernen solarbetriebenen Sender bestückt, der die jahrelange genaue Registrierung seiner Wanderungen erlaubt (ausgeführt durch die Vogelwarte (MPI) Radolfzell). Er tolerierte den Sender a priori, ohne ihn weiter zu beachten.

Am Samstag, 2.9.2017 wird erstmals im Fernsehen über den Fall berichtet, kommentiert von D. Haas und anderen Vogelexperten, in den Landesnachrichten Baden-Württ. aktuell ab 19:45 Uhr im 3. Programm (SWR). Dieser Samstag, 2.September, ist der jährlich wiederkehrende IVAD (International Vulture Awareness Day, übersetzt: „Internationaler Geier-Achtsamkeitstag“), an dem mit zahlreichen Veranstaltungen in verschiedenen Ländern auf die höchstgradige Gefährdung und Schutzbedürftigkeit der Geier weltweit hingewiesen wird. Eine Google-Suche unter IVAD lohnt sich sicher in einigen Tagen.

 

31.8.2017 Dieter Haas

Leiter der Geierschutzinitiative GESI