Wildtierinfo Schweiz: Ernährungsstrategien und Verbiss Rot- u. Elchwild

Swiss Wildlife Information Service (SWIS)
Die zeitsparende Literaturdatenbank für Forschung, Praxis & Medien

Ernährungsstrategien und Verbiss

In einem schwedischen Experiment wurden junge Waldföhren mit einem Birkenrindenextrakt behandelt und die Wirksamkeit des Extrakts gegen Verbiss durch Rothirsch und Elch untersucht. Denn Birkenrinde enthält natürlicherweise Abwehrstoffe gegen Pflanzenfresser. Elche sind, wie unsere Rehe, „Konzentratselektierer“: sie fressen viele Triebe und Knospen verholzter Pflanzen. Rothirsche gehören dagegen zum „intermediären“ Typ und ernähren sich zu einem grossen Teil von Gräsern. Rothirsche verbissen Bäumchen ohne und mit Birkenrindenextrakt im Verhältnis 2:1, Elche im Verhältnis 4:1. Wenn nur jedes zweite Bäumchen mit Extrakt behandelt war, wählten Rothirsche gezielt die unbehandelten aus, Elche hingegen verzichteten weitgehend ganz auf die Bäumchen der Versuchsfläche. Das weist auf eine unterschiedliche Strategie der beiden Huftierarten bei der Nahrungsauswahl hin: Der Rothirsch prüft Pflanze für Pflanze, der Elch wechselt die Pflanzenart oder gar das Äsgebiet, wenn eine gewisse Pflanze nicht schmeckt. Wenn Massnahmen zur Reduktion von Verbiss ausgearbeitet werden und verschiedene Pflanzenfresser im betroffenen Gebiet leben, sollten solch unterschiedliche Ernährungsstrategien berücksichtigt werden. Forest Ecology and Management 390: 1-7; http://dx.doi.org/10.1016/j.foreco.2017.01.013