Brief von der Geierschutzinitiative GES

Liebe Ornis, liebe NaturschützerInnen,

 

seit Wochen zieht ein junger Bartgeier (K 1), ein unberingtes, unmarkiertes Ex.durch Deutschland, höchstwahrscheinlich auf natürlichen ausgedehnten Wanderungen, wie sie für immature große Geier typisch sind. Herbert Fuchs hat diesen Fall in seine Geierhomepage eingebaut, unter folgendem Link abrufbar:

 

http://www.naturschutzbuero-zollernalb.de/geier/17_01.htm

 

Dieser Wildvogel wurde ja wiederholt recht zahm wirkend auf wenige Meter angetroffen. Der Rat, sich ihm nicht weiter zu nähern und den VCF zu informieren, ist sicher nicht schlecht. Denkt aber bitte erst mal dran: der Vogel ist in akuter Gefahr. Fast überall, wo er auf natürliche Weise Nahrung findet, kommt er nicht an sie ran: verendete Weidetiere werden entfernt und naturwidrig entsorgt, ebenso roadkills, und wo sie liegen bleiben, traut er sich nicht ran oder kommt in große Gefahr, ebenfalls Opfer zu werden (ein Teil der in Deutschland rel. häufigen überfahrenen Wölfe wird wohl auch durch roadkills an die Straßen gelockt). Und wenn er im Wald Nahrung findet, ist die Gefahr hierzulande noch groß, dass er an einer durch Greifvogelhasser bewusst vergifteten Kirrstelle oder an bleiverseuchtem Aufbruch geschädigt wird.

Daher meine Bitte: sorgt zuallererst für reichlich Fleisch und gut markhaltige Knochenstücke und legt sie in Sichtweite des Geiers aus, ohne zu stören. Erst, wenn er sich gut vollgekröpft hat, können Belegfotos angefertigt werden (bitte nicht direkt auf den Vogel zugehen, sonst fühlt er sich verfolgt und haut ab, wenn er noch kann). Informiert erst bei Einbruch der Dunkelheit alle möglichen Foren, wenn zum Überleben des Vogels erst mal beigetragen wurde. Der GESI sind nun zu viele Beispiele bekannt, in denen gesunde, in ausgezeichnetem Gefiederzustand nach Deutschland eingeflogene Geier hier umgekommen sind.

Zum besseren Verständnis noch ein Vergleich: Auf einem Autobahnparkplatz liegt ein stark abgemagerter oder krank/vergiftet wirkender Hund und winselt erbärmlich. Wer ihn nun mit einem Fußtritt in der Straßengraben befördert, riskiert ein Strafverfahren  und einen Großbericht in der Bildzeitung (wer den BG aber lediglich zu einer weiteren lebensgefährl. Flucht zwingt handelt genauso). Sollten wir Ornis wenigstens in solchen Fällen nicht auch unsere in vieler Hinsicht guten Tierschutzgesetze respektieren, und sie nicht nur in extrem subjektiver Weise nur auf Haustiere ausrichten.    

Altweltgeier sind neben den Albatrossen die weltweit am meisten gefährdete Vogelgruppe. Deutschland hat im Hinblick auf internationale Konventionen recht viel erreicht (z.B. Bonner Konvention, CMS), versagt aber seither noch völlig im Hinblick auf Schutzmaßnahmen dieser höchstgradig gefährdeten Vogelgruppe (s. auch unten nachfolgende Nachricht von BirdLife International, und angehängtes Manuskript, zur  Situation in Asien und Afrika). Die GESI hat Verfahren und Vorschläge entwickelt und detailliert geplant, die praktisch bei uns zum Nulltarif zu haben wären, die durch Spenden gut abgedeckt wären, die aber durch dubiose, undemokratische Entscheidungen übergeordneter Behörden ausgebremst wurden. Spendengelder mussten daher zum öffentlichen Nachteil umgewidmet werden. Weiteres dazu gerne auf Anforderung.

 

Mit besten Grüßen

Dieter Haas

(Dr. Dieter G. Haas

Geierschutzinitiative GESI